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Osteopathische Verwendung des Faszienbegriffes

Eine der Wurzeln in der Behandlung von Faszien findet sich in der Osteopathie, deren Begründer Andrew Taylor Still war (Die andere Wurzel ist das Rolfing). Die heutige Inflation der Faszientherapieen in der Physiotherapie hat direkt mit diesem Einfluss der Osteopathie zu tun. Es ist deswegen interessant etwas über diese Zusammenhänge zu kennen. Hilfreich dabei ist eine Arbeit der kanadischen Osteopathin Jane Stark, welche ihre DO Thesis über die Verwendung des Faszienbegriffes bei Still verfasste. Diese ist als Buch erschienen und bei Jolandos erhältlich.

2005 fand in Schlangenbad/DE der 8. Kongress des VOD (Verband der Osteopathen Deutschlands) statt. Jane Stark war damals Referentin und hatte für diesen Zweck eine Zusammenfassung ihrer Abeit verfasst. Diese kann hier gelesen werden.

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In der „Deutschen Zeitschrift für Osteopathie – 1/2004“ wurde die Arbeit von Jane Stark vorgestellt und besprochen.

Im folgenden werde ich einige Auszüge dieses Artikels vorstellen. Der ganze Artikel ist als PDF herunterladbar.  Die Arbeit war wichtig, weil sich darin zeigte, dass auch hier wieder vieles über die Ansicht der Faszien falsch , weil ungeprüft, übernommen wurde.

„In der Osteopathie besitzt die Faszie eine herausragende Bedeutung. Oft wird dabei auf den Begründer der Osteopathie, Andrew Taylor Still verwiesen. Doch wie definierte Still selbst die Faszien und wie wichtig waren sie für seine Osteopathie? Diesen Fragen geht die kanadische Autorin Jane Stark im folgenden Artikel nach. Grundlage des Artikels ist ihre eigene, bemerkenswerte Dissertation, weshalb der Artikel auch in der Rubrik Science erscheint.“

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Kommentar von R. Seider

„Heutige Osteopathen sehen sich gerne in der kontinuierlichen Tradition A.T. Stills. Insbesondere diejenigen, die sich der Arbeit mit den Faszien verschrieben haben, zitieren genüsslich Passagen aus den Werken des alten Meisters, um ihre Ansichten zu untermauern. Hier setzt diese Arbeit ein großes Fragezeichen. Wie gesichert ist der historische Boden, auf dem wir meinen, uns zu bewegen? Der Ansatz, einerseits Stills Schriften im historischen Kontext zu sehen und andererseits das Verständnis erfahrene heutiger Osteopathen durch eine Fragebogenaktion dazu in Bezug zu setzen, ist reizvoll.

In Hinblick auf die Aussagen zur apodiktischen evangelikalen Rhetorik Stills bleiben jedoch noch Zweifel, da keine allgemeine Untersuchung gerade dieser Rhetorik im beginnenden 20.Jahrhundert vorgenommen wurde. In der Arbeit werden lediglich Textstellen als Beleg angeführt. Eine sprachwissenschaftliche Untersuchung hätte nach Aussagen von Frau Stark den Rahmen der Arbeit gesprengt. Sie arbeitet jedoch an einem Buch über Stills Einstellung zu den Faszien. Man darf auf diese Darstellung im größeren Rahmen gespannt sein.

Es tut gut, vermeintlich gesicherte Erkenntnisse gelegentlich einmal gegen den Strich zu bürsten. Geschieht dies in einer so weitgehend überzeugenden Weise wie in diesem Text, so ist dies eine Gelegenheit, innezuhalten und einmal nachzudenken. Der Begriff der Faszien, wie er heute verwendet wird, hat sich offensichtlich gewandelt. Das kann, muss aber durchaus nicht immer ein Vorteil sein.

Darüber hinaus bietet die Arbeit eine Anregung, wie eine nicht-experimentelle Studie aufgebaut sein kann. Die Schriften der „Oldtimer“ bieten einen großen Schatz, der darauf wartet, zum Nutzen aller Osteopathen gehoben zu werden.“

Etymologie des Faszienbegriffes nach Hyrtl

Josphhyrtl

Josef Hyrtl(* 7. Dezember 1811 in Eisenstadt; † 17. Juli 1894 in Perchtoldsdorf bei Wien) war zu seiner Zeit einer der bedeutensten und einflussreichsten Anatomen der Welt.

Der griechischen und lateinischen Sprache mächtig verfasste er 1880 – also 15 Jahre vor der ersten Nomina anatomica basiliensis (BNA) – die „Onomatologia Anatomica – Geschichte und Kritik der anatomischen Sprache der Gegenwart.“

In diesem Buch werden 421 anatomische Begriffe alphabethisch von Abdomen bis Zygoma auf ihren ursprünglichen Bedeutungsinhalt hin untersucht. Für alle Sprachunkundigen sind die Ausführungen von Hyrtl ein Genuss, weil man so die effektive Bedeutung über die frühere Verwendung der Begriffe verstehen lernt.

Hyrtl

“ … möchte mit seinem historisch-linguistischen Quellenwerk zum praktischen Erfordernis einer künftigen Verbesserung der Nomenklatur dienen. Die retrospektive Heerschau über dasa Rüstzeug der anatomischen Fachsprache zeigt deren historisches Gewachsensein, aber deckt auch ihre Unzulänglichkeit und ihren Mangel an Logik und Stimmigkeit auf. Der Untertitel der „Onomatologia anatomica“ nennt ausdrücklich auch dieses zweite Anliegen: „Geschichte und Kritik der anatomischen Sprache der Gegenwart, mit besonderer Berücksichtigung ihrer Barbarismen, Widersinnigkeiten, Tropen und grammatischen Fehler„.

Hyrtl spart nicht mit Kritik an den Mägeln und bereitet den Weg zu ihrer Überwindung. Aber hat die grosse Bereinigung und Systematisierung nicht mehr selbst erlebt. Erst ein Jahr nach seinem Tode, 1895, wird die neue logisch systematisierte Nomenklatur kodifiziert: „Nomina anatomica; Die anatomische Nomenklatur; Verzeichnis der von der Anatomischen Gesellschaft auf ihrer 9. Versammlung in Basel aufgenommen Namen“, besorgt von Wilhelm His.“

zitiert aus dem Vorwort

Der 138. Begriff ist der Fascia gewidmet. Wir lesen dort:

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Salah Bachas Beitrag zur Fasziendiskussion

Zur Vereinfachung habe ich an dieser Stelle  den Beitag von Salah eingefügt und sämtliche Artikel aus der Zeitschrift „Journal of Bodywork and Movement Therapies (2014)“  in ihrer chronologischen Reihenfolge veröffentlicht.

Motto

„Wie viele Trugschlüsse und Irrtümer … gehen auf Kosten der Wörter und ihrer unsicheren oder mißverstandenen Bedeutung! Bisher hat man dieses Hindernis so wenig als Übelstand erkannt, dass man vielmehr die Kunst es zu vergrößern, zum Gegenstand menschlichen Studiums gemacht hat, und diese Kunst hat manchem den Ruf der Gelehrsamkeit und des Scharfsinnes eingetragen.“

John Locke, Untersuchungen über den menschlichen Verstand (1690)

Markus

Liebe Studierende,

vor ca. zwei Wochen ist endlich das lang erwartete neue Buch von Carla Stecco erschienen. Ich habe dieses Buch bereits erhalten und etwas Zeit gehabt reinzuschnuppern. Es sind zwar mehr Bilder als Text darin enthalten, dafür sind sie aber sehr lehrreich. Das andere Werk „Lehrbuch der Faszien“ hat dafür mehr Text und ist auch sehr aktuell.

In der Einleitung hat Carla Stecco eine andere Definition der Faszien vorgeschlagen. Die ich Euch präsentiert hatte, stammt aus dem Konsens zwischen Wissenschaftlern und Klinikern beim internationalen Faszienkongress (Uni Harvard; 2007). Seitdem ist sie Ausgangspunkt für zahlreiche Diskussionen. Was Faszien sind, ist bis heute nicht definitiv beantwortet.

Ich schicke hiermit als Anhang die Kopie der Einleitung von Carla Stecco sowie andere Artikel zu dem Thema. Ich möchte gerne die erste Stunde des Moduls nutzen, um Euch ein Feedback zur Hausaufgabe zu geben und anschließend sollten wir gemeinsam über die praktische Relevanz von Steccos Definition diskutieren.
Dafür bitte ich Euch, die beiliegenden Texte zu lesen.

Ich freue mich auf das nächste Modul

Herzliche Grüße

Salah

 

PDFWhy are there so many discussions about the nomenclature of fasciae?

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Des Kaisers neue Kleider

Vermutlich kennen alle das Märchen von Hans Christian Anderson, in welchem die Leichtgläubigkeit, Dünkel und Angst vor Gesichtsverlust auf eine köstliche Weise thematisiert werden. Ein typisch menschliches Märchen halt …

Nachfolgend die Zusammenfassung der Geschichte nach Wikipedia und danach eine moderne Version der Geschichte von Reinhardt Mey.

„Das Märchen handelt von einem Kaiser, der sich von zwei Betrügern für viel Geld neue Gewänder weben lässt. Diese machen ihm vor, die Kleider seien nicht gewöhnlich, sondern könnten nur von Personen gesehen werden, die ihres Amts würdig und nicht dumm seien. Tatsächlich geben die Betrüger nur vor, zu weben und dem Kaiser die Kleider zu überreichen. Aus Eitelkeit und innerer Unsicherheit erwähnt er nicht, dass er die Kleider selbst auch nicht sehen kann und auch die Menschen, denen er seine neuen Gewänder präsentiert, geben Begeisterung über die scheinbar schönen Stoffe vor. Der Schwindel fliegt erst bei einem Festumzug auf, als ein Kind sagt, der Kaiser habe gar keine Kleider an, diese Aussage sich in der Menge verbreitete und dies zuletzt das ganze Volk rief. Der Kaiser erkannte, dass das Volk recht zu haben schien, entschied sich aber, „auszuhalten“ und er und der Hofstaat setzen die Parade fort“

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Neues aus Babylon: noch einmal zum Faszienbegriff

Sir Francis Bacon (1561 – 1626), englischer Philosoph, Naturforscher, Historiker und Staatsmann forderte, dass die Naturwissenschaft Neues entdecke. Um dieses Ziel zu erreichen, war nach Francis Bacon ein Kampf gegen die „Trugbilder“ notwendig, die eine Erkenntnis der Welt verhindern. Bacon unterschied vier Trugbilder. Die vier Arten von Trugbildern sind das Ergebnis

  • der menschlichen Wahrnehmung
  • der persönlichen Wahrnehmung
  • der fehlerhaften Verwendung von Begriffen
  • der Verwendung falscher etablierter Lehren

Liest man diese Zeilen, würde man nicht meinen, dass diese Gedanken vor über 400 Jahren formuliert wurden, da sich die gleichen „Trugbilder“ noch heute immer wieder in der Physiotherapie  und aktuell ganz besonders in der „Faszienszene“ wiederfinden. Wir leben definitiv in einer Zeit der Versimplifizierung und der Oberflächlichkeit!

Umso wohltuender sind Autoren, die differenzierter denken können, wohl aufgrund der genauen Kenntnis der Materie!

Jüngstes Beispiel ist Carla Stecco MD, Orthopaedic Surgeon and Professor of Human Anatomy and Movement Science in Padua (IT), deren wunderbares Buch „Functional Atlas  the Human Fascial System“ letzte Woche erschienen ist. Sie äussert sich auch zum Faszienbegriff.

 Stecco

Im Vorwort schreibt sie explizit:

„In this book, I stress the continuity of the fascial planes and an understanding of the fascia as connections between muscles, nerves and blood vessels. My own understanding of the fascia is as a proper organ system with its unique macroscopic and histological aspects, and its own functions and pathologies. Remaining constistent with this view, I have employed a restrictive definition of fascia.

I exclude joint capsules, ligaments, tendons and the loose connective tissue from this definition. True, the fasciae are continuoes with all of these but they have distinct microsopic features and functions.“

Damit wird klar, dass diese Definition derjenigen von Salah Bacha und damit derjenigen von Robert Schleip widerspricht , bei welcher jegliche Form von Bindegewebe als Fasziengewebe bezeichnet wurde (siehe Beitrag „Ein indisches Gleichnis … „).

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Interessantes zum Faszientraining – Vortrag von Robert Schleip

Die folgenden Video Aufzeichnungen eines sehr interessanten Vortrages von Dr. R. Schleip habe ich auf der Website des Functional Training Magazins gefunden. Robert Schleip erklärt die neuesten Forschungsergebnisse zum Faszientraining. Sie bieten eine wichtige Ergänzung zum vergangenen Faszienmodul mit Salah Bacha.

   Link

In diesem Webcast bringt euch Faszienexperte Dr. Robert Schleip das Thema Faszientraining ein Stück näher. Im ersten Teil geht darum einen Einstieg in das Thema Faszien zu bekommen, um Kritik an der klassischen Anatomie und die ersten Ansätze für das Training der Faszien.

Im zweiten Teil des Webcasts spricht Dr. Robert Schleip über die energetische Speicherkazität der Faszien. Zudem stellt er neue Erkenntnisse zum plyometrischen Training vor, sowie entsprechende Trainingsmethoden.

Im dritten und letzten Teil des Webcasts berichtet Dr. Robert Schleip über verschiedene fasziale Trainingsmethoden, über Bewegungsgeschwindigkeit beim Einsatz einer Faszienrolle, den optimalen Härtegrad sowie über verschiedene Trainingsmethoden für genetisch unterschiedliche Strukturen

Den von Robert Schleip erwähnte Fernsehbeitrag aus Quarks & Co habe ich an dieser Stelle eingefügt.